Noch keine Kommentare

Luthers Biographie bis zum Beginn der Reformation

In diesem Jahr 2017 feiern wir 500 Jahre Reformation.

Am 26. August wird es unter dem Motto „vergnügt.erlöst.befreit.Leben – Ein Fest für alle“ in Hannover geben. Der 31. Oktober, der Reformationstag, wird in diesem Jahr sogar ein Feiertag sein.

Aus diesem gegebenen Anlass findet ihr im nachfolgenden Artikel einen kleinen Ausschnitt aus dem Leben Martin Luthers, der aufzeigt wie Luthers Gotteserfahrung zur Reformation geführt hat.


Martin Luther hat gegen unglaublich große Widerstände und unter Einsatz seines Lebens den Kern des Evangeliums wieder entdeckt und damit den Weg bereitet für die Ausbreitung der frohen Botschaft in alle Welt.

Die Beschäftigung mit Luthers Theologie führt unmittelbar zu seiner Biographie. Luther selbst war davon überzeugt, dass allein die Erfahrung den Theologen macht. Deshalb möchte ich nachfolgend den Werdegang Luthers bis zur Wiederentdeckung des Evangeliums und den Beginn der Reformation skizzieren.


Luthers Biographie

Luther wurde am 10.11.1483 in Eisleben geboren. Er besuchte die Lateinschule in Magdeburg und Eisenach und begann 1501 in Erfurt als Student der Juristenfakultät. In dieser Zeit lernte Luther die Devotio moderna (lat. neue Frömmigkeit) kennen. Diese Erneuerungsbewegung der spätmittelalterlichen Kirche schätzte die rechtlich verfasste Kirche und den äußeren Empfang der Sakramente geringer als die individuelle Christusbeziehung.

1505 – Wende vom Juristen zum Theologen – Augustiner Eremiten Orden

1505 war ein entscheidendes Jahr in Luthers Biographie. Ein Blitz erschlug seinen Freund, während sie gemeinsam unterwegs waren. Luther brach darauf hin sein Jurastudium ab (obwohl er 1505 schon die Magisterprüfung bestanden hatte) und trat in das strengste katholische Kloster ein, dem Augustiner Eremiten-Orden.

Diese Jahre im Kloster waren für Luther eine sehr wichtige Zeit. Er besuchte die dort angeschlossene theologische Schule und er befolgte die strengen Regeln des Ordens so konsequent, dass er bereits 1507 zuerst als Diakon und im April 1507 als Priester geweiht wurde.

Eine weitere prägende Erfahrung im Leben Luthers war seine Romreise 1510. Er erwartete dort eine Erfahrung der Gnade, aber er kehrte von Rom zurück und war tief erschüttert vom käuflichen Gepräge der Frömmigkeit.

1511 Versetzung nach Wittenberg

1511 wurde Luther nach Wittenberg versetzt. Er machte Wittenberg zum Brennpunkt geistlicher Lehre. 1512 promovierte er dort zum Doktor der Theologie und bekam eine theologische Professur an der Universität Wittenberg.

Luther leitete seine Reformation als Bibeltheologe ein. Luther als Exeget und Lehrer des Wortes Gottes war der Schlüssel für seine erfolgreiche Reformation. In Wittenberg hatte er als Professor auch eine Predigtverpflichtung und die Aufsicht über 11 Klöster.

Luthers Lebensfrage: Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?

Sein steiler Aufstieg war überschattet von der Frage:

„Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?“

Die damalige Kirche konnte ihm auf seine existentiellen Fragen keine Antwort geben.

Er durchlebte das Gesetz als Fluch. Er erhoffte durch die Einhaltung des Gesetzes den Segen Gottes zu empfangen, aber er machte die Erfahrung, dass er das Gesetz nicht halten konnte. Diese Erfahrung brachte Luther in eine tiefe Lebenskrise.

Er begann Gott zu hassen, weil er eine Gerechtigkeit zu fordern schien, die Luther nicht erfüllen konnte. Gleichzeitig zweifelte Luther an seiner Heilsgewissheit, weil er in einen tiefen Zwiespalt geriet:

„Wie soll ich selig werden, wenn ich Gott, den ich lieben soll, hasse?“

Er empfand sich in dieser Lebenskrise als von Gott Verworfener.

Die Anfechtung als Gotteserfahrung

Der Generalvikar Johann von Staupitz war in dieser Zeit Luthers Ordensvorgesetzter und Beichtvater. Er konnte Luther helfen, indem er Luthers Anfechtungen als Weg der Gotteserfahrung interpretierte. In vielen seiner Schriften lehrte Luther später über die Anfechtung und bezeichnete sie als Gottes Umarmungen:

„Die Anfechtung lehrt uns auf das Wort zu merken!“

Gerhard Ebeling, ein deutscher Theologe sagt dazu:

„Der Glaube stirbt nicht an der Anfechtung, sondern an der Flucht vor ihr!“

Ohne die Erfahrung der Anfechtung lernen wir nicht auf das Wort Gottes zu hören.

Johann von Staupitz half Luther in dieser Zeit der Anfechtungen und inneren Kämpfe, indem er ihn immer wieder auf das Wort Gottes verwiesen hat, wo wir lesen, dass Gott Liebe ist. Gott stellt sich in seiner Treue immer zu seinem Wort. Sein Seelsorger und Vertrauter Johann von Staupitz konnte ihn zwar trösten, aber nicht von seinen Glaubenskämpfen (Anfechtungen) befreien.

Luthers Durchbruch – das Turmerlebnis

1515 studierte Luther den Römerbrief in seinem Arbeitszimmer im Turm des Schwarzen Klosters. Er blieb hängen bei Römer 1,17:

„Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben; wie geschrieben steht: Der Gerechte wird aus Glauben leben.“ Röm. 1,17

Er fragte sich: „Wie kann dieses Evangelium die Gerechtigkeit Gottes offenbaren?“ Luther erlebte diese Gerechtigkeit als fordernd und strafend. Wir sollte diese Gerechtigkeit im Evangelium, der frohen Botschaft, offenbart sein?

Beim Studium des Römerbriefes hatte Luther das Turmerlebnis. Ihm wurde durch eine Offenbarung des Heiligen Geistes klar: wenn der Gerechte aus Glauben leben soll, kann Gerechtigkeit nicht Verdienst sein, sondern sie muss Barmherzigkeit sein.

Luther sagte später:

„In diesem Turm hat mir der Heilige Geist die Schrift offenbart.“

Luther entdeckte ganz neu den Kern des Evangeliums, der damals unter Ablasszahlungen und dem käuflichen Gepräge der Frömmigkeit verschüttet gewesen ist.

Er erlebte im Turm beim Studium des Römerbriefes die Gnade Gottes als schenkende Gnade, als Gerechtigkeit, die uns geschenkt wird und die wir im Glauben, also im Vertrauen auf die Wahrheit der Schrift, empfangen. Er erkannte dort, dass nur durch Gottvertrauen und nicht durch eigenes Dazutun dieses Geschenk empfangen wird. Allein der Glaube an die Barmherzigkeit Gottes, an das Werk, das Jesus Christus für uns am Kreuz vollbracht hat errettet vom ewigen Höllenfeuer.

Diese Erfahrung des Wortes Gottes erlöste ihn von seinen eigenen Seelenqualen und brachte ihm Heilsgewissheit und die Freude des Glaubens. Der gute Rat seines Beichtvaters wurde hier für Luther zu einer erlösenden Erfahrung.

Der Beginn der Reformation

Diese Erfahrung war der Grundstein für die Reformation. Sie begann mit den 95 Thesen, die Luther am 31.10.1517 an die Tür der Schlosskirche von Wittenberg angeschlagen hat. Auch wenn dies als historisch nicht gesichert gilt, wurden sie auf jeden Fall zu diesem Datum als Beifügung an einen Brief an den Erzbischof von Mainz und Magdeburg, Albrecht von Brandenburg erstmals in Umlauf gebracht und bald im ganzen Land diskutiert.

Kernpunkte der Reformation sind: sola scriptura (allein die Schrift), sola fide (allein durch Glauben), sola gratia (allein durch Gnade) und das solus christus (allein durch Christus). Christus allein ist der einzige Heilsmittler. Er allein ist der Weg zu Gott und an IHN allein glauben wir. Wir werden gerecht allein durch den Glauben und die Gnade. Die Grundlage unseres Glaubens ist allein die Schrift.


Die geschichtliche Verbindung der heutigen Freikirchen zur Reformation

Dieses Erbe lutherischer Theologie hat auch uns als freikirchliche Gemeinde sehr gesegnet. Wir finden uns im sogenannten „linken Flügel der Reformation“ repräsentiert.

Dazu gehörten auch die Täufer. Sie hatten damals freikirchliche Forderungen, die sie als Konsequenz aus Luthers Reformation forderten. Diese waren z.B.:

  • statt Kindertaufe die Einführung der Taufe von Erwachsenen, die von ihrem Glauben überzeugt sind
  • das Eintreten für Religionsfreiheit
  • Priestertum aller Gläubigen
  • Trennung von Kirche und Staat
  • Bildung von Freikirchen

Leider verfolgte Luther später die Täufer, die eine weitergehende Reformation der Kirchen forderten. Trotzdem verdanken wir Luther die Wiederentdeckung des Evangeliums und die Übersetzung der Bibel. Das Neue Testament wurde 1522 und die gesamte Bibel 1534 fertig gestellt.

Thomas Bittmann

 

Foto: pixabay.com

Einen Kommentar posten